Mein Fehler

Warum scheint alles, was ich sage, das Falsche zu sein?
Warum scheint alles, was ich tue, das Falsche zu sein?
Diese beiden Fragen beschäftigen mich schon so lange.
Nach jedem neuen Tag fühle ich mich schlapp und leer, in meinem Kopf spielen sich nicht die schönen Momente ab, sondern die, in denen ich etwas falsches getan hab.
Ich vermisse es so, mich abends ins Bett zu legen und daran zu denken, wann ich glücklich war. Ich sehe immer nur meine Fehler. Aber warum? Warum muss ich jede gute Situation durch ein unbedachtes Wort zerstören? Und warum halten mir alle immer meine Fehler vor? Ich selbst sage so selten jemand anderem, wenn er etwas Falsches macht, denn ich weiß, wie weh Kritik tut. Mich zerfrisst sie innerlich, ich beginne zu zittern, sobald ich mich daran erinnere, mir wird schlecht und ich fühle mich so einsam. Ich habe Angst, nicht mehr gemocht zu werden, weil ich immer so viel falsch mache. Ich versuche mich zu ändern, weniger zu reden und darauf zu achten, was ich sage. Doch immer wenn ich glücklich bin, geht es mit mir durch, wenn ich mit meinen Freunden herumalbere, nur schnell etwas lustiges zum Thema sagen will, schon verstummt das Gelächter um mich herum, und alle sagen mir, dass ich wieder einen Fehler gemacht habe.
Mir ist so kalt. Innerlich kalt. Ich leide. Sie tun mir weh, obwohl sie meine Freunde sind. Sie fühlen nicht, was ich fühle, sie wissen nicht, dass sie mich zerstören. Als ich ihnen versucht habe, dies zu erklären, haben sie mich ausgelacht, und mir dann erklärt, dass es falsch ist, was ich denke.
Ich will keine Fehler mehr machen. Ich will am liebsten weglaufen, wenn ich wieder etwas Dummes gesagt habe. Wenn sie über mich lachen, oder mich ausschimpfen. Ihre Vorwürfe machen mich krank. Ich habe schon richtig Angst vor ihnen, will sie nicht mehr sehen. Sie wissen immer alles, und sie machen niemals Fehler. Die mache nur ich. Ich bin dumm, ich kann nichts. Aber ich rede immer zu schnell.
Wenn ich mich ihnen anvertraue, mit meinen Sorgen und Problemen, sagen sie mir danach, dass ich persönliche Dinge nicht erzählen sollte. Sie lachen über mich. Ich bin armselig in ihren Augen.
Manchmal wünschte ich mir, stumm zu sein, um nichts falsches mehr zu sagen, aber als ich das nach einem achtlosen Kommentar sagte, obwohl es als spaß beabsichtigt war, schimpften sie mit mir, über so etwas mache man keine Witze.
Damit haben sie Recht aber. sie tun es doch auch. Ist es in Ordnung, wenn sie darüber witzeln, aber nicht, wenn ich es tue?
Mache ich Dinge falsch, wenn ich sie tue, oder werden sie falsch, weil ich sie tue?
Ich weiß es nicht. Vielleicht sollte ich sie fragen, sie wissen alles, aber sie nehmen mich nicht ernst. Sie würden wieder über mich lachen. Oder schimpfen. Wenn ich sie fragen würde, wäre es sicher ein Fehler.
Ich kann nichts richtig machen. Wenn ich fröhlich bin, sollte ich eigentlich traurig sein. Wenn ich traurig bin, sollte ich fröhlich sein. Ich muss die richtigen Sachen im Fernsehen ansehen, um mit ihnen lachen zu können. Wenn ich etwas nicht kenne, lachen sie über mich. Sie verstehen nicht, dass jemand so uninteressiert sein kann. Sie verstehen mich nicht, warum ich mich nicht für dieselben Dinge interessiere.
Ich glaube, sie hassen mich.
Warum sollten sie mir sonst so wehtun? Oder ist ihnen das gar nicht bewusst? Aber was sind das für Freunde, die einen so runter machen? Sind es überhaupt Freunde? Ich weiß nicht. Aber sie sind das einzige was ich habe. Ich darf sie nicht verärgern, darum sage ich nie etwas dagegen, wenn sie mich fertig machen. Ich will sie doch nicht verlieren, sonst bin ich ganz alleine. Das bin ich jetzt schon, aber dann wäre ich auch nach außen hin alleine, und dann würden noch mehr über mich lachen. Mich mag niemand, weil ich so anders bin. So unsicher. Die anderen sind nicht so. Sie sind intelligent. Sie wissen, worauf es ankommt, und wie man sich verhalten muss. Aber ich habe immer Angst, stehe meistens nur still und nutzlos herum. Will nicht gesehen werden. Möchte nicht existieren. Wünsche mir, ganz weit weg zu sein. Da, wo niemand ist, wo ich endlich ich selbst sein kann. Aber diesen Ort gibt es nicht. Ich werde niemals alleine sein. Das haben sie mir gesagt. Das meine Wünsche dumm und unerfüllbar sind. Sie sind falsche Wünsche. So werde ich niemals leben können. Sie haben mich ausgeschimpft, ich solle so etwas Dummes nicht denken.
Sie wissen immer alles, und wenn sie mir nicht sagen, was ich tun soll, bin ich unbrauchbar. Überflüssig. Jemand, der so viele Fehler macht wie ich, den braucht die Welt nicht.
Heute ist wieder so ein Tag gewesen.
Habe so viele Fehler gemacht, so viele gute Momente zerstört. Meine Freunde wütend gemacht. Sie sagen mir immer, wenn ich etwas falsch mache. Eigentlich sollte ich daraus lernen, aber das kann ich nicht. Sie meinen, ich wäre zu dumm dafür.
Ich wünschte, ich würde keine Fehler mehr machen.
Ich wünschte, nicht von meinen Freunden gehasst zu werden.
Ich wünschte, ich würde geliebt werden, so wie ich bin.
Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen.
Ich würde alle meine Fehler rückgängig machen, damit sie sich nicht mehr über mich ärgern müssten, und ich diese Schmerzen nicht mehr ertragen müsste.
Aber auch das kann ich nicht.
Erst eben haben sie mir gesagt, ich könne nichts ungeschehen machen, ich solle nicht so dumme Gedanken haben. Das wäre falsch.
Vielleicht kann ich nichts ungeschehen machen, aber ich kann dafür sorgen, dass es nicht so weiter geht.
Ich sitze auf dem Brückengeländer und sehe weit unter mir das schwarze Wasser.
Ich habe sie gefragt, was wäre, wenn ich tot wäre. Sie meinten, dass es dumm von mir wäre, an so etwas zu denken. Sie meinen, es wäre falsch.
Aber das ist nur ihre Meinung.
Ich weiß, es ist die einzige Lösung.
Denn mein einziger Fehler war der, zu leben.